Meine Sänger-Gesundheit

Mit Freude singe ich nun schon seit meinen Kindertagen. Als Kind war ich oftmals krank – hatte Mandelentzündungen und Bronchitis. Im Laufe meiner Jugendjahre hatte ich die Anfälligkeit, krank zu werden verloren. Jedoch im Alter von ca. 33 Jahren entwickelten sich Probleme mit meinen Nebenhöhlen: mein Geruchs- und Geschmackssinn verabschiedete sich!  Es stellte sich heraus, dass ich auf alle möglichen Lebensmittel unverträglich reagierte.  Für einen lebenslustigen Menschen wie mich war das wirklich mehr als störend.

Was soll ich sagen: Die ganze Geschichte hat 25 Jahre gedauert. Bis ich  auf Hiddensee, einer wunderschönen Ostseeinsel ohne Autoverkehr, Urlaub machte. Innerhalb von zwei Wochen verschwanden alle Probleme und ich war vollständig gesund!!! Ich konnte die feinsten Gerüche wahrnehmen und mein Geschmachssinn war vollkommen wieder hergestellt. Ich hatte schon vorher auf Hiddensee Urlaub gemacht und auch auf Nordseeinseln – aber nie eine so lange Zeit. Die Ruhe, der gute Schlaf, keine Sorgen, kein Autofahren, keine Abgase und der Aufenthalt am Meer haben mich gesunden lassen. Das Beste war für mich auch die Bewegung auf dem Fahrrad an der Luft.

Drei Wochen nach meinem Urlaub – zurück in Berlin – verschwand mein Geruchs- und Geschmackssinn wieder. Mein Fazit: Ich ziehe in die Natur – in die Nähe einer kleineren Stadt, die ich für meine Arbeit und als Anregung brauche. Doch mein ganzes Körper- und Seelensystem benötigt zwischendurch unbedingte Ruhe und das Auftanken in der Natur.

Nachtrag im Jahr 2019:  Was mir zusätzlich und endgültig geholfen hat, ist, dass ich mich jetzt pflanzlich vollwertig ernähre. Nebenhöhlenprobleme – ade!  Schlafprobleme – ade!

Innen wie außen – ganz im Jetzt – Singen im freien Klang

Das, was ich innerlich erlebe, soll sich im Außen, in meinem Körper spiegeln. Es geht eine innere Bewegung durch mich hindurch, denn ich erlebe die Musik, das Lied zu allererst durch das Wort. Nur wenn der Text mich innerlich bewegt, wird sich die innere Bewegung auch in meinem Körper fortsetzen. Der körperliche Ausdruck spiegelt dann ganz genau mein inneres Empfinden. Dann bin ich ganz geistesgegenwärtig – dann wird das Wort innerlich erlebt und wird im Gesang zum wahrhaftigen Klang. Mein Körper verbindet sich mit der Seele und dem Geist. Ich bin ganz im Jetzt. Die Stimme folgt.

Liebe das, was Du tust – Singen im freien Klang

Das, was ich liebe, das erfüllt mich, das mobilisiert meine stärksten inneren Kräfte – das was ich liebe, wird schön – ist schön. Wenn ich singe und ich bin mit mir selbst im Reinen, dann bin ich mutig und gebe nicht auf, bleibe dabei. Das Singen aus der Mitte, im freien Klang, ist ein Prozess, der die eigenen Kräfte stärkt. Es ist nicht im herkömmlichen Sinne eine Technik – es ist eine „Technik“, die mein Körper zur Verfügung stellt, wenn ich mich auf meine körperlich-seelische Mitte konzentriere. In meiner Mitte lerne ich mich kennen, meine Stärken und natürlich auch meine Schwächen und Ängste.

Das Kennenlernen, das Hineinspüren in den Ton, in den Text, in die Musik – das alles ist ein Prozess. Ich lerne von innen zu spüren und so bemerke ich, wo ich noch nicht frei bin, wo ich noch kontrolliere und festhalte. Je freier ich werde, desto durchlässiger wird mein Körper – denn mein Körper ist mein Instrument und meine Seele singt in meinem Körper. Das Hineinspüren in den Text und die Musik ist in unserer heutigen Zeit, in der alles so schnell gehen muss, nicht selbstverständlich. Wirklich einzutauchen bedeutet auch, sich Zeit zu nehmen für sich und die Musik. Eine liebevolle Hinwendung zu dem, was ich tue, ist auch eine Form der Selbstliebe. Es ist ein innerer Wachstumsprozess, der mit dem Singen aus der Mitte einhergeht. Nicht nur mein Gesang wird immer schöner, sondern auch mein Innerstes immer leuchtender.

Zentriertes Singen ist gesund und heilsam

Im Gesang, wie auch im Leben, ist es gesund, in seinem Ausdruck natürlich zu bleiben. Wir beginnen, wenn wir singen wollen, immer in unserer körperlich-seelischen Mitte. Das bedeutet: In dem Wissen, dass der Ton auf uns zu kommt, sind wir bereit, erwartungsvoll, in gesunder Spannung und doch im Zwerchfell gelöst, um dann gar nicht anders zu können, als im rechten Moment einzusetzen. Auch unser Gesicht beginnt nicht vorher, den Ton zu formen – sonst ziehen wir uns aus unserer Mitte wieder heraus. Der Ausdruck beginnt in unserer Mitte und spiegelt sich dann im Gesicht wider und nicht umgekehrt.

Wenn wir dann singen, ist es sehr hilfreich, sich in Atempausen immer wieder im Zwerchfell zu lösen. Wir bewegen den Text, den Gesang in unserer inneren Mitte – dadurch blüht er auf. Konzentrieren wir uns darauf, den Ausdruck in unserer Mitte zu finden, sind wir automatisch im Sog (inhalare la voce) – und damit wird gewährleistet, dass unsere Stimme von der Muskulatur des Zwerchfells gestützt wird. Auch der Registerwechsel ist dann vom Sänger nicht mehr zu spüren. Jeder übertriebene Ausdruck, jede zu starke Anspannung im Körper, im Gesicht machen den Eindruck, als ob wir uns „abarbeiten“. Der Klang der Stimme wird dadurch nicht schöner.

Wir können darauf vertrauen, dass Körper, Seele und Geist in unserer Mitte wirksam sind. Das ist gesund – das ist heilsam.

Singen im freien Klang – Singen im Flow

Der Flow, der sich im zentrierten Singen einstellen kann, ist eine nahezu unbeschreibliche Erfahrung. Es ist nicht nur eine körperliche Bewusstheit, die sich einstellt, eine totale Balance von Körper und Seele, sondern auch eine Klangerfahrung, die immer wieder überwältigend ist. Eben noch war ich müde, habe ganz gut gesungen, doch irgend etwas fehlte – die Leichtigkeit? – die völlige Durchdringung des Raumes? – habe ich irgendwo festgehalten? – fehlte es an Textverständnis? – oder ist mir meine Freude abhanden gekommen und zuviel Anstrengung da? Eigentlich hatte ich schon aufgegeben und war irgendwie mutlos und ein wenig enttäuscht. Doch ich habe mich „aufgerappelt“ und meine Arie trotz Müdigkeit noch einmal gesungen. Und dann passierte es: Ich wurde wie von Zauberhand getragen – alles war ganz leicht, mein Klang stark, mein Ausdruck tief, meine Farben leuchtend, meine Müdigkeit verflogen. Ich war ganz in mir, in meiner Musik und in meiner Freude. Ich war ganz in meiner Mitte, ganz im Flow.

Ich bin, also singe ich

Ich bin
Ich spüre in mich hinein
Ich vergesse die Zeit
Ich fühle Musik
Ich bin Musik
Ich klinge
Ich bin Schwingung
Ich fühle mich wohl
Ich höre meinen Klang
Ich bin groß
Ich weite mich
Ich fühle die Freude, die mich durchströmt
Es ist lustvoll
Es ist kraftvoll
Es fließt durch mich hindurch
Ich fühle mich frei
Ich singe

Warum es heilsam ist, zentriert zu singen

Ein Mensch, der in seiner Mitte ruht, ist entspannt und ausgeglichen. Er handelt aus seiner Ruhe heraus und ist dabei in einem friedvollen und freudvollen Gemütszustand. Dieses geistige Wohlbefinden spiegelt sich im Körper und in der Stimme. Der Mensch ist gesund.

Doch auch in bewegten Zeiten, können wir lernen,  Ruhe zu bewahren, zuversichtlich zu sein und nach Lösungen zu suchen. Dabei ist es wichtig, sich selbst wahrzunehmen und gegebenenfalls Änderungen im Leben vorzunehmen,  um gesund zu bleiben. Im Singen spüren wir, wie schön und leicht die Stimme geführt werden kann, wenn wir in unserer Balance, in unserer körperlich-seelischen Mitte sind. Wir können loslassen und uns ganz dem Musikstück hingeben – singen wird einfach.

Wir spüren aber auch, was nicht funktioniert und was die Stimmbänder belastet, was krank macht:
– zu starker Ehrgeiz
– mentales „machen wollen“
– Kritiksucht – auch sich selbst gegenüber
– körperliche Anspannung durch Stress
– Unsicherheit
– Mutlosigkeit
usw.
Über den Klang der Stimme hören wir, ob wir zentriert singen,  und so können wir unser Bewusstsein immer wieder in unsere körperliche Mitte lenken. Finden wir unsere Mitte, so bekommen wir Hilfe: Körper und Geist vereinen sich. Es ist wunderbar,  ja,  es ist wie ein Wunder, denn das Singen bekommt auf einmal eine hohe Qualität, Leichtigkeit und gleichzeitig Tiefe. In seiner Mitte ruhend, findet der Mensch, findet der Sänger nicht nur seine gesunde Stimme, sondern allgemein Gesundheit.

Singen – die zentrierte Stimme und Dein Selbst

Aus seiner Mitte zu singen, ist der direkteste Weg, um singen zu lernen. Für den Laiensänger ist es verblüffend einfach, die eigene Stimme klingen zu hören. Professionelle Sänger erleben diesen direkten Zugang zu ihrer Stimme als befreiend. Obwohl ich nicht technisch unterrichte, stellt der Körper des Sängers die erforderliche Technik zur Verfügung, sobald der Sänger seine körperlich-seelisch-geistige Mitte gefunden hat: die sängerische Stütze stellt sich automatisch ein, die Sprache wird sehr deutlich und verständlich, der Klang geht unter die Haut. Es ist ein Phänomen, das man kaum in Worte fassen kann, sondern wirklich erleben muss. Aus seiner Mitte zu singen, bedeutet auch sich selber wieder zu berühren – und das löst eine unglaubliche Freude aus!

Heilung der erkrankten Sängerstimme durch zentriertes Singen und bioenergetische Heilbehandlung

Ich möchte durch diesen Text die Aufmerksamkeit von Sängerinnen und Sängern, die im klassischen Bereich tätig sind und Probleme mit Ihrer Stimme haben, auf unsere Heilarbeit richten. Wir sind:

1. Eckart Matthias Seeck, Pianist, Klavierpädagoge, Komponist und ein exzellenter Korrepitior. Als Begleiter gibt er dem Sänger größtmögliche gestalterische Freiheit. Er erspürt innhaltliche und klangliche „Unrundheiten“ und ist außergewöhnlich musikalisch sensibel.

2. Vivian Middelmann, Sängerin, Gesangspädagogin und Heilerin nach Horst Krohne.  Seit 10 Jahren arbeite und singe ich mit Eckart Matthias Seeck zusammen. Das zentrierte Singen und die Arbeit mit Musikern ist unser gemeinsames Anliegen und zu einer unserer Lebensaufgaben geworden (Musik: Consulting-Team). Als Pädagogin und Sängerin möchte ich meine Erfahrungen an Sänger/innen weitergeben.  Zentriertes Singen führt zu größtmöglicher Stimmgesundheit und Qualität im musikalischen Ausdruck. Als hellfühlige Musikerin und Pädagogin spüre und lenke ich die Aufmerksamkeit des Sängers und helfe ihm, seine körperlich-seelisch Mitte zu finden. Als Heilerin nach Horst Krohne habe ich Möglichkeiten, Sängerinnen oder Sängern zusätzlich Hilfe zu schenken, indem ich sie energetisch behandele, falls Stimmprobleme oder andere körperliche Probleme vorhanden sind. In der Verbindung all dieser Fähigkeiten sind wir ein einzigartiges Team: Wir verhelfen Sängerinnen und Sängern nicht nur zu Ihrem besten und einzigartigen Ausdruck und zu einer Leichtigkeit und Freude in ihrem Gesang, sondern zur Gesunderhaltung und zum Wiedergesunden ihrer Stimme.

Der direkte Weg zur eigenen Stimme – zentriertes Singen

Im Gesangsunterricht stelle ich immer wieder fest: Wir können über unsere Mitte ohne Umwege direkt in unseren ureigenen Klang kommen. Das gilt sowohl für einen Schüler in seinen ersten Stunden als auch für professionelle Sänger. Sehr viel schneller als durch technische Methoden findet der Sänger über seine körperlich/seelische Mitte einen Zugang zu seiner Stimme. Er spürt schon in den ersten Stunden den Unterschied: Je freier er singt, je mehr er seine Mitte findet, desto größer und raumfüllender wird sein Klang. Er lernt auch, dass Anstrengung nicht zum Erfolg führt, sondern die körpereigene Weisheit außer Kraft setzt. Singt ein Sänger zentriert, singt er
– sauber (das Hören, ob sauber oder unsauber fällt völlig weg)
– verständlich – jedes Wort wird verstanden (auch hohe Stellen in einem Lied!). Die Worte sind in ihrer seelischen Qualität zu spüren.
– im Klang – der Raum wird ganz und gar erfüllt mit seinem Gesang
– berührend – denn er verbindet sich seelisch mit dem Lied und kann so die Zuhörer auf seiner Reise mitnehmen.
– frei und freudvoll, und dadurch entfaltet sich das Gesangsstück auf zauberhafte Weise.
– magisch – die Zuhörer sind gebannt und weichen nicht von seinen Lippen.
Es lohnt sich, auch weite Wege auf sich zu nehmen, um auf diese Weise singen zu lernen.